Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt wieder

Corona-Pandemie hat Digitalisierung im Jobcenter Herford vorangetrieben

 

Kreis Herford. Der positive Trend ist erst einmal gestoppt. Während das Jobcenter Herford vergangenes Jahr noch einen neuen Tiefstand der Arbeitslosengeld II-Empfänger*innen meldete, stand das vergangene Jahr ganz im Zeichen der Corona-Pandemie.


„2020 war für viele ein schweres Jahr. Im Jobcenter Herford waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie aber nicht so deutlich zu spüren, wie noch zu Beginn prognostiziert. Blicken wir ausschließlich auf die Zahlen, sind wir mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen, wobei dahinter immer persönliche Schicksale stecken. Insbesondere die neu auf Grundsicherungsleistungen angewiesenen Selbstständigen und Minijobbende hat der Lockdown hart getroffen“, resümiert Geschäftsführer Klaus Binnewitt.


Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Jahresdurchschnitt 2020:
7.675


Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Vorjahr:
7.624


Das Jahr 2020 im Überblick

Die Zahl der Haushalte im Kreis Herford, die 2020 Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen, stieg leicht an auf 7.675 im Jahresdurchschnitt. Das entspricht einem Anstieg um 0,7 Prozent. Insgesamt haben 15.535 Personen „Hartz IV“-Leistungen empfangen. Das sind in etwa gleich viele wie im Vorjahr (15.538).

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg von 10.645 im Jahr 2019 auf 10.726 im Jahr 2020. Das ist ein Anstieg um 0,8 Prozent. Gegen den Trend verlief die Entwicklung bei den unter 15-Jährigen weiterhin günstig. Deren Zahl ging jahresdurchschnittlich auf 4.810 (-1,7%) zurück.

Ein Großteil der Arbeitslosengeld II-Bezieher ist nicht arbeitslos. Das liegt daran, dass diese Personen erwerbstätig sind, kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich noch in der Ausbildung befinden.

Die Zahl der vom Jobcenter betreuten Arbeitslosen stieg im Jahresdurchschnitt von 4.350 im Jahr 2019 auf 4.702 im Jahr 2020. Das entspricht einem Anstieg um 8,1 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren stieg um 7,3 Prozent. Während im Jahr 2019 noch 377 Personen unter 25 Jahren arbeitslos waren, waren es 2020 durchschnittlich 405.

Auch bei der Zahl der Langzeitarbeitslosen gab es einen Zuwachs. Ihre Zahl lag 2019 durchschnittlich bei 2.058 und stieg um 11,5 Prozent auf 2.295 im Jahr 2020, coronabedingt mit weiter wachsender Tendenz.

 

Sicherheit in der Corona-Pandemie

Über die gesamte Zeit der Pandemie stand die Bewilligung von Leistungen an oberster Stelle. „Der vereinfachte Zugang durch die befristete Aussetzung der Vermögensprüfung und die Zusicherung, dass die Kosten für die Miete übernommen werden, hat es uns ermöglicht, schnell und unbürokratisch die Anträge zu bearbeiten“, sagt Klaus Binnewitt. Damit sei „Hartz IV“ ein wenig bedingungsärmer aber eben nicht bedingungslos geworden.

Auch wenn die Türen des Jobcenters geschlossen waren, war es immer möglich, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen – telefonisch, online über die Plattform www.jobcenter.digital und per E-Mail bzw. Brief. Stück für Stück hat das Jobcenter digitale Möglichkeiten ausgebaut: „Inzwischen ist es möglich, nicht nur Veränderungen, sondern auch Haupt- und Weiterbewilligungsanträge online an das Jobcenter zu übermitteln. Dass unabhängig von Zeit und Ort die Daten und nicht die Menschen laufen müssen, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagt Frauke Schwietert, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Herford. Sie weist zudem darauf hin, dass auch der verlängerte Bezug beim Arbeitslosengeld I und Kurzarbeitergeld die Folgen des Lockdowns abgemildert haben.

Nach dem ersten Lockdown konnten auch die Förderinstrumente größtenteils in Präsenz wiederaufgenommen werden. „Die Bildungsträger haben sich ebenfalls auf die veränderte Situation eingestellt und alternative Formen angeboten, da wo es möglich war“, erklärt der Herforder Jobcenter-Geschäftsführer.

Auch das eigene Haus habe sich auf die veränderte Situation eingestellt: „Die Kolleginnen und Kollegen haben Großartiges geleistet. Das zeigt uns auch die Rückmeldung der Kundinnen und Kunden“, lobt Klaus Binnewitt. Das findet auch Landrat Jürgen Müller: „In diesen Zeiten hat sich die Bedeutung unseres Sicherungsnetzes in Deutschland gezeigt – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jobcenter Herford haben einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden geleistet – nicht zuletzt ein Beweis ihrer Systemrelevanz.“

 

Ausblick 2021

„Der Blick in die Glaskugel fällt deutlich schwerer als in vorangegangenen Jahren – dennoch setzen wir große Hoffnungen in die kommende Zeit“, findet Klaus Binnewitt. Ungewiss ist, wie schnell und nachhaltig sich die Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt von den Folgen der Corona-Pandemie erholen wird. Die positiven Erfahrungen aus der vorübergehenden Lockerung im Sommer und Herbst gäben aber Anlass zu hoffen, dass auch die Langzeitarbeitslosen von einer wieder anziehenden Konjunktur profitieren werden.

Die ungewisse Zeit lasse sich aus seiner Sicht insbesondere durch Qualifizierung nutzen. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt werden uns noch längere Zeit begleiten. Jetzt besteht die Chance, sich weiterzubilden, um für die ,Nach-Corona-Zeit‘ gut gerüstet zu sein.“ Ein Fokus liegt deshalb auf der Förderung von Weiterbildung.

Das unterstreicht auch Frauke Schwietert: „Der dringende Bedarf an qualifiziertem Personal besteht bei den Unternehmen im Wittekindsland weiterhin, auch während und nach der Corona-Pandemie und sorgt dafür, dass Fachkraftstellen oft die sichereren Arbeitsplätze sind.“ Jürgen Müller nimmt den regionalen Ausbildungsmarkt ins Visier: „Umso wichtiger ist es, auf sprichwörtlicher Ebene zusammenzurücken und gemeinsam dafür zu sorgen, dass auch junge Menschen die Chance auf eine gute Qualifikation durch eine Ausbildung erhalten. Dabei sind wir selber gefragt, brauchen aber auch die Unterstützung der heimischen Betriebe, die als Arbeitgeber auch innovative Modelle forcieren können, angewiesen. Ich setze weiterhin auf die duale Ausbildung.“

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